Widerstand gegen den Widerstand – Lotus-Online.de wurde abgeschaltet; (1 min)

4 03 2010

(Nachtrag vom 12.03.10 – Die Seite ist mittlerweile wieder online)

Vielen Lesern alternativer Internetmedien ist Lotus-Online ein Begriff. Die Webseite machte bereits des Öfteren durch interessante Artikel, selbst produzierte Radio-Podcasts und aufklärerische Webvideos positiv auf sich aufmerksam. Doch nun sind sie anscheinend zu weit gegangen. Nachdem Lotus-Online zu einem Internet-Flashmob aufgerufen hatte, bei dem Artikel etablierter Medien mit massenhaft kritischen Kommentaren versehen werden sollten, wurde die Seite vorläufig abgeschaltet. Ab jetzt also Lotus-Offline.de?

Die Begründung: Es verstieße gegen die AGB´s des Providers eine Spam-Aktion vorzubereiten, zu verkünden und zu verwalten.

Bei Spam denkt man nun zunächst mal an einen Text, der von einer Person vervielfältigt und an viele verschiedene Adressen weiter verschickt wird. Im Falle des Online-Flashmobs war es genau andersherum geplant. Viele verschiedene Leute schreiben viele verschiedene Kommentare und schicken diese an wenige Internetportale. Dies nicht in der Absicht, die Server der Webseiten zu überlasten, sondern in der Hoffnung, dass die Kommentare von den Nutzern dieser etablierten Medien gelesen werden.

Zugegeben, was Spam ist und was nicht, darüber gibt es im Internet wohl unterschiedliche Auffassungen. Ein kritischer Leserbrief von einem besorgten Bürger ist aber eventuell doch etwas anders zu bewerten, als ein Kommentar, in dem z.B. Armbanduhren beworben werden oder eine E-Mail von Susi, die „Einfach länger fic…“ möchte.

Ob es sich bei dieser Sperre nur um ein paar erbsenzählende Administratoren handelt oder ob eventuell doch eine gezielte Maßnahme zur Unterdrückung politischer Meinungsäußerung dahinter steckt, sei hier mal dahingestellt. In jedem Fall ist es äußerst bedauerlich, wenn dadurch ein kritischer Diskurs von politisch engagierten Bürgern unterbunden wird und die kreativen Ideengeber zusätzlich mit einer Websperre bestraft werden.

Naja, wie sagt Reinhard Mey so schön: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.“ Und mit diesem steuert man dann am besten einen Provider im Ausland an. Im Medien- und Datenfreihafen von Island zum Beispiel. Wäre doch schön, wenn wir uns auch zukünftig noch über politische Aktionen im Internet unterhalten dürften, oder?

Video anschauen!

Interessierte können sich über die weitere Entwicklung vorläufig auf TheRealStories.wordpress.com informieren. Der dort veröffentliche Kommentar des Providers zur Sperre ist im Folgenden zitiert:

Sehr geehrter Herr ,

Leider mussten wir Ihren Account erneut sperren. Wir wurden von der DENIC darauf hingewiesen, dass über Ihr Account eine als “Online-Flashmob” bezeichnete Spam-Aktion vorbereitet, verkündet und verwaltet wurde.

[…] Bitte beachten Sie, dass Sie zu diesem Thema zwingend Stellungnahme leisten müssen. Wir sind sonst dazu gezwungen den Account entsprechend zu bereinigen bzw. das Vertragsverhältnis aufzulösen. Es handelt sich dabei gegen einen Verstoß unserer AGBs.

Mit freundlichen Grüßen








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