Gnadenlos billig – Der Handyboom und seine Folgen; WDR (30 min)

22 04 2010

60 Euro im Monat verdienen, den ganzen Tag giftige Dämpfe einatmen, generelles Streikverbot und wenn man krank ist, folgt eine Lohnkürzung oder der Rausschmiss. Dieses verlockende Angebot gilt für Arbeitnehmer der Handyhersteller Motorola und Nokia in Indien. Mit einem Lohn von zwei Euro pro Tag kann man selbst im Land der tausend Kulturen kaum überleben. Von den Gesundheitsrisiken werden die Mitarbeiter oft gar nicht erst in Kenntnis gesetzt. Diejenigen, die wissen wie gefährlich Ihr Job ist, arbeiten trotzdem weiter. Verlieren sie die Anstellung in der Fabrik, müssen sie Hunger leiden.

Die Produktionsstätten der Mobiltelefone befinden sich in einer Sonderwirtschaftszone Indiens. Das bedeutet, dass in den ersten zehn Jahren keine Steuern gezahlt werden müssen. Wasser und Strom gibt es zum halben Preis zusätzlich oben drauf. Dennoch kriegen die Hersteller den Hals nicht voll und zahlen ihren Mitarbeitern sogar niedrigere Löhne als in China. Durch die zutiefst unwürdigen Arbeitsbedingungen gelang es Nokia im Jahr 2008 einen Jahresgewinn von fünf Milliarden Euro zu verbuchen. Kein Wunder, dass das Nokia-Werk in Bochum der maßlosen Profitgier des Konzerns nicht stand halten konnte.

Warum organisieren sich die indischen Arbeiter nicht und versuchen ihre Situation zu verbessern? S.M. Prithiviraj von der Menschenrechtsorganisation Care Trust sagt: „Die Unternehmen hier führen sich auf wie die Herrscher dieser Gegend. Es gibt keine Rechtsverbindlichkeit für sie. Sie machen, was sie wollen.“ Weiter sagt er: „Diese Unternehmen sind zu allem fähig, auch zu körperlichen Attacken. Das ist der Grund, warum hier noch niemand versucht hat eine Gewerkschaft zu gründen.“

Doch nicht nur die Produktion von Handys sorgt für Probleme in Indien. Jährlich gehen allein in Deutschland 30 Millionen neue Handys über die Ladentheke. Da sammelt sich natürlich auch eine Menge Elektroschrott in Form von Alt-Handys an. Die kaputten Telefone gelangen über Zwischenstationen illegal wieder ins Land und werden dort anschließend „recycelt“. Das heißt, Gold und Kupfer für die entsorgenden Unternehmen; Cadmium, Quecksilber und Dioxine für die Lungen der Arbeiter. Auch wenn die Meisten gar nichts von der Gesundheitsgefahr ahnen; Krebs und andere Krankheiten gehören zum selbstverständlichen Berufsrisiko eines indischen Handyrecyclers.

Ravi Agarval von der Umweltorganisation Toxics Link sagt dazu: „Manchen geht es wirtschaftlich besser. Aber mit unserer sozialen Gerechtigkeit ist etwas nicht in Ordnung. Wir haben noch viel zu tun.“ Die Konsumenten in Deutschland sind weitgehend ahnungslos, was die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern angeht. Wer also gerade überlegt, sich mal wieder das neueste Handymodell zu kaufen, weil das Alte mittlerweile aus der Mode gekommen ist, sollte sich diese Doku anschauen. Vielleicht wird sich mancher Kunde dann noch mal überlegen, ob er wirklich ein neues Handy braucht.

Video anschauen!

Teil 1; Teil 2; Teil 3

 


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2 responses

24 04 2010
ebm_bln

Und zum letzten Satz:

Es gibt ja auch andere Handy-Produzenten… *g

Meine Meinung bleibt – wer kauft, sollte auch immer “Hinter die Kulissen schauen!”

Egal ob Elektronik, PC´s, Klamotten oder Nahrung.

Das gehört dann auch zu einem “neuen Bewusstsein”.

2 08 2010
Not so nice and handy « Glotze fatal

[…] Zu „Gnadenlos billig“ ist für Lehrzwecke eine DVD erhältlich. Das Blog „ReWashTV“ verrät auch Links zu YouTube. Die im Film einbezogene NGO Germanwatch infomiert zum Thema auf ihrer Website. Artikel empfehlen: […]

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