Wahre Geschichten – Fiktive Realität: Wer traut wem in der vernetzten Welt?; Phoenix (20 min)

4 04 2010

Vortrag von Wolf Bauer, Vorsitzender der Ufa Film und TV Produktion GmbH auf den 43. Mainzer Tagen der Fernsehkritik.

„Gerade im Netz ist niemand vor Täuschung und Enttäuschung sicher“, sagt Wolf Bauer, Vorsitzender der Ufa Film GmbH. Doch auch im Fernsehen nimmt die absichtliche Vermischung von Fiktion und Realität besorgnis- erregende Ausmaße an. In Daily Soaps, Telenovelas, Casting- oder Reality-Shows, sogar in Nachrichtenformaten öffentlich-rechtlicher TV-Anstalten wird die Realität gerne mit frei erfunden Geschichten ergänzt.

So berichtete beispielsweise ein öffentlich-rechtlicher Sender in Belgien über die Abspaltung der Region Flanderns, was sich wenig später als frei erfunden heraus stellte. Eine weitere spektakuläre Täuschung gelang einem georgischen Fernsehsender, der über den Einmarsch russischer Truppen berichtete und dafür ungekennzeichnete Archivbilder verwendete. Erst eine halbe Stunde später klärte der Sender über den tatsächlichen Sachverhalt auf, nämlich, dass es sich bei dem Beitrag nur um ein mögliches Szenario gehandelt habe.

Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind mittlerweile weder im Fernsehen noch im Internet genau zu definieren. Doch obwohl Vertrauen und Glaubwürdigkeit die wichtigste Grundlage für die bedrohte Medienindustrie bedeuten, setzen viele Anbieter weiterhin eher auf die Verwirrung ihrer Zuschauer. So strahlen z.B. RTL, SAT1 und Pro7 zusammen jeden Tag elf Stunden gefakte Realität aus. Die geskripteten Programme sehen aus wie Realität und sollen auch so wahrgenommen werden. „Der Fake ist salonfähig geworden“, so Bauer.

Ist die Bild-Zeitung glaubwürdiger als ein Blog? Ist Twitter so seriös wie die Tagesschau? Wem schenke ich mein Vertrauen? Heutzutage sollte man in jedem Fall kritischer abwägen, welcher Nachricht man glauben schenkt und welcher nicht. Natürlich gilt dies auch bei Produktionen der Ufa Film und TV GmbH. Denn obwohl sich Herr Bauer angenehm kritisch über die aktuellen Entwicklungen in der Medienwelt äußert, ist die ihm unterstehende Produktionsgesellschaft selbst für mancherlei zweifelhafte Formate verantwortlich.

Medienkompetente Menschen können natürlich erstmal versuchen, sich durch intensive Gegenrecherche und Studium der gängigen Manipulationstechniken vor Falschmeldungen und Meinungsmache zu schützen. Bei manchen Programmen sollte man aber vielleicht am besten den Rat des altbekannten Medienkritikers Peter Lustig beherzigen: „Abschalten nicht vergessen!“

Video wurde entfernt.





Widerstand gegen den Widerstand – Lotus-Online.de wurde abgeschaltet; (1 min)

4 03 2010

(Nachtrag vom 12.03.10 – Die Seite ist mittlerweile wieder online)

Vielen Lesern alternativer Internetmedien ist Lotus-Online ein Begriff. Die Webseite machte bereits des Öfteren durch interessante Artikel, selbst produzierte Radio-Podcasts und aufklärerische Webvideos positiv auf sich aufmerksam. Doch nun sind sie anscheinend zu weit gegangen. Nachdem Lotus-Online zu einem Internet-Flashmob aufgerufen hatte, bei dem Artikel etablierter Medien mit massenhaft kritischen Kommentaren versehen werden sollten, wurde die Seite vorläufig abgeschaltet. Ab jetzt also Lotus-Offline.de?

Die Begründung: Es verstieße gegen die AGB´s des Providers eine Spam-Aktion vorzubereiten, zu verkünden und zu verwalten.

Bei Spam denkt man nun zunächst mal an einen Text, der von einer Person vervielfältigt und an viele verschiedene Adressen weiter verschickt wird. Im Falle des Online-Flashmobs war es genau andersherum geplant. Viele verschiedene Leute schreiben viele verschiedene Kommentare und schicken diese an wenige Internetportale. Dies nicht in der Absicht, die Server der Webseiten zu überlasten, sondern in der Hoffnung, dass die Kommentare von den Nutzern dieser etablierten Medien gelesen werden.

Zugegeben, was Spam ist und was nicht, darüber gibt es im Internet wohl unterschiedliche Auffassungen. Ein kritischer Leserbrief von einem besorgten Bürger ist aber eventuell doch etwas anders zu bewerten, als ein Kommentar, in dem z.B. Armbanduhren beworben werden oder eine E-Mail von Susi, die „Einfach länger fic…“ möchte.

Ob es sich bei dieser Sperre nur um ein paar erbsenzählende Administratoren handelt oder ob eventuell doch eine gezielte Maßnahme zur Unterdrückung politischer Meinungsäußerung dahinter steckt, sei hier mal dahingestellt. In jedem Fall ist es äußerst bedauerlich, wenn dadurch ein kritischer Diskurs von politisch engagierten Bürgern unterbunden wird und die kreativen Ideengeber zusätzlich mit einer Websperre bestraft werden.

Naja, wie sagt Reinhard Mey so schön: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.“ Und mit diesem steuert man dann am besten einen Provider im Ausland an. Im Medien- und Datenfreihafen von Island zum Beispiel. Wäre doch schön, wenn wir uns auch zukünftig noch über politische Aktionen im Internet unterhalten dürften, oder?

Video anschauen!

Interessierte können sich über die weitere Entwicklung vorläufig auf TheRealStories.wordpress.com informieren. Der dort veröffentliche Kommentar des Providers zur Sperre ist im Folgenden zitiert:

Sehr geehrter Herr ,

Leider mussten wir Ihren Account erneut sperren. Wir wurden von der DENIC darauf hingewiesen, dass über Ihr Account eine als “Online-Flashmob” bezeichnete Spam-Aktion vorbereitet, verkündet und verwaltet wurde.

[…] Bitte beachten Sie, dass Sie zu diesem Thema zwingend Stellungnahme leisten müssen. Wir sind sonst dazu gezwungen den Account entsprechend zu bereinigen bzw. das Vertragsverhältnis aufzulösen. Es handelt sich dabei gegen einen Verstoß unserer AGBs.

Mit freundlichen Grüßen





Kann nicht sein, was nicht sein darf!? – Doku über Massenmedien; (98 min)

27 02 2010

Ein Film von Stefan Enderle

Worauf stützen wir unser Weltbild? Wie bilden wir uns eine Meinung? Und welche Rolle spielen dabei die Medien? Das sind zentrale Fragen, die die Dokumentation aufgreift. Es geht um Nachrichten, Meinungsbildung und Propaganda, die die Medien verbreiten und der sie durch teils zweifelhafte Public Relations Maßnahmen ausgesetzt sind.

In dieser sehenswerten Doku erhält der Zuschauer viele Informationen und Meinungen zum Zustand unserer aktuellen Medienlandschaft. Als Interviewpartner mit dabei sind:

– Dr. Siegfried Weischenberg, Prof. für Journalistik und Kommunikationswissenschaft
– Dr. Hans Mathias Kepplinger, Prof. für empirische Kommunikationsforschung
– Hans Leyendecker, Journalist und Leitender Redakteur „Süddeutsche Zeitung“
– Dr. Dr. h.c. Bernd Hamm, Prof. emeritus Siedlungs-, Umwelt- und Planungssoziologie
– Bernd Manzini, Leiter der Geschäftsstelle KEK Potsdam
– Regine Naeckel, Leitende Redakteurin „Hintergrund“ & hintergrund.de

Video anschauen! (Vorab findet ihr weitere Informationen von Stefan Enderle)

 





Medienkompetenz für´s Internet; 3sat (8 min)

7 01 2010

Ist diese Webseite vertrauenswürdig? Sagt der Artikel die Wahrheit? Und ist das YouTube-Video wirklich von einem Amateur gedreht? Fragen, die sich nicht immer so leicht beantworten lassen. Oft schluckt man den Werbespot oder die verborgene PR-Botschaft völlig unbemerkt. Der sogenannte „User Generated Content“, bei dem die Inhalte vom Nutzer selbst produziert werden, stellt Informationssuchende vor ganz neue Herausforderungen.

Doch wie kann man sich vor der Manipulation in Virals, Online-Enzyklopädien und Fake-Blogs schützen? Ist evtl. eine Kontrollinstanz nötig? Prof. Dr. Meyer-Schönberger von der Harvard University betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit eines vielfältigen Angebots. Langfristig seien hohe Klickzahlen ohnehin nur durch gute journalistische Arbeit möglich. Vertrauen schafft nur, wer seine Leser nicht veräppelt.

Eine kritische Distanz zu den Inhalten ist am Ende wohl das Wichtigste. Sich einfach nicht veräppeln lassen. Informationen in mehreren Quellen überprüfen und nur denjenigen Autoren vertrauen, die konstant gute und wahrheitsgemäße Artikel schreiben. Dann können wir in Zukunft vielleicht auch auf peinliche Produkte wie den bekannt gewordenen Sony-Fake-Blog und ihren absichtlich auf dämlicher getrimmten Pseudo-Rapper verzichten. Schön wär´s.

Video wurde entfernt.

.

Medienkompetenz – Nachrichten aus dem Internet; 3sat (20 min)

Wie sind die Informationen aus dem iranischen Internet zu beurteilen? Zu dieser schwierigen Frage nehmen in folgendem Beitrag einige Experten Stellung. Der Fall der jungen Iranerin Neda, die auf einer Demonstration im Iran durch Schüsse starb, ging dank Internet um die Welt. Das Video wurde zunächst von Einigen als Fälschung betitelt. Glaubwürdige Quellen behaupten mittlerweile das Gegenteil. Wem kann man glauben und wem nicht? Und was bedeuten die Bilder, die man sieht, überhaupt? Im Iran ist das alles noch etwas komplizierter.

Video wurde entfernt.





Manipulation zum Nutzen von Politik und Wirtschaft; NDR (9 min)

16 12 2009

An dreiste Lügen von PR-Agenturen muss man sich heutzutage wohl gewöhnen. Auch daran, dass uns die Medien diese Lügen ungeprüft als Wahrheit verkaufen. So entpuppt sich ein Selbstmordanschlag in einer US-Kleinstadt schon mal als PR-Aktion für einen neuen Kinofilm. Oder ein Streik der Kassenärztlichen Vereinigung als Inszenierung einer PR-Agentur mit bezahlten Demonstranten-Statisten. „Wir sind an einem Punkt, wo die PR einen dominierenden Einfluss auf die Konstruktion von Öffentlichkeit hat. Das Schlimme dabei ist, dass Niemandem das auffällt“, sagt Thomas Leif von netzwerk recherche.

Klar, je unauffälliger, desto besser. Würde es auffallen, müsste man es ja als Werbung bezeichnen. Ein schönes Beispiel für verdeckte PR ist auch die YouTube-Kampagne für die geplante Bahnprivatisierung einer Berliner PR-Agentur. In einer sogenannten „Straßenbefragung“ sprechen sich vermeintlich unabhängige Passanten einseitig für die Privatisierung aus. Neben YouTube, wurden gleichzeitig auch Webseiten, Blogs und Internetforen großflächig mit verdeckten Bahn-PR-Kommentaren versorgt. Die Bürgerinitiative „Kein Wortbruch in Hessen“, die Stimmung gegen Andrea Ypsilanti machte, war ebenfalls ein reines PR-Konstrukt. Hinter der Initiative standen leider keine Bürger, sondern nur eine bezahlte Agentur. Dies hinderte die Medien allerdings nicht, ausgiebig über die Bürgerinitiative zu berichten und über die dahinter stehende Agentur kein Wort zu verlieren.

Mit solchen „grauen“ PR-Methoden „beschädigt man ein Kernelement der Demokratie“, meint dazu Ulrich Müller von Lobby Control. Auch die Selbstkontrolle durch den Deutschen Rat für Public Relations könne in dieser Hinsicht keine Hilfe sein. Zwar werden von Zeit zu Zeit Rügen ausgesprochen, doch haben diese keinerlei rechtliche Konsequenzen. Die Aussage von Richard Gaul (Deutscher Rat für PR); verdeckte PR habe „auf mittlere und lange Sicht keine Chance und ist demzufolge erfolglos“, ist wohl eher als gute Eigen-PR anzusehen. Denn die Lüge wird meistens zur Wahrheit, lange bevor die verdeckte Manipulation überhaupt erkannt wird.

Video angucken!





Zukunft der Medien – Strategien und Geschäftsmodelle; Phoenix (30 min)

11 12 2009

„Wenn mein Sohn irgendwo lernt, wird er bei Google lernen, weil es einfach die beste Firma der Welt ist.“ Ungewöhnliche Worte für Hubert Burda, den Chef des Burda-Verlags. Denn eigentlich führen Verleger weltweit derzeit einen erbitterten Machtkampf mit der Nachrichten-Suchmaschine. Das Anzeigengeschäft bricht ein und die Zukunft der Tageszeitungen sieht finster aus. Helfen können „Fair-Search“ und neue Paid-Content-Lösungen, so Burda. „Es muss etwas geschehen, weil Ihr sonst beim Kartellamt landet“, droht er am Ende seinem „Widersacher“ Philipp Schindler, dem Geschäftsführer von Google Europa.

Die Podiumsdiskussion der 23. Medientage in München bietet weitere illustre Teilnehmer, wie ZDF Intendant Prof. Markus Schächter, Anke Schäferkordt – Geschäftsführerin von RTL Television oder Thomas Ebeling – Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media. Neue Ideen für eine Finanzierung des klassischen Journalismus bleiben aber weitgehend aus.

Einen tollen Einfall hat der Bayrische Staatsminister Siegfried Schneider von der CSU. Zukünftig solle man einfach den Kindern in der Schule beibringen, dass sie mehr Zeitungen und Zeitschriften lesen sollen. „Der Ursprung beginnt in der Leseerziehung; in der Hinführung zur Zeitung“, so Schneider. Dafür sollen verschiedene Unterrichtseinheiten eingeführt werden. „Es muss letztlich Thema in jedem Unterrichtsfach sein.“ Super, was der Markt nicht regeln kann, wird einfach durch Umerziehung gerade gebügelt. So klappt´s bestimmt.

Video wurde entfernt.





Obama – Ein Marketing Traum (6 min)

7 11 2009

Englisch – Vortrag von John Pilger (Filmemacher, Autor und Journalist) auf der Veranstaltung Socialism 2009 in San Francisco (7.5.09)

„Obama ist ein Hypnotiseur, ein Marketing Traum“, sagt John Pilger. Es sei zwar ungewöhnlich, dass ein Afro-Amerikaner im Land der Sklaverei die Präsidentschaft übernommen habe; Rasse, Geschlecht und Klasse seien allerdings schon immer gute Propagandakategorien gewesen. Aber im 21. Jahrhundert komme von den drei Kategorien der Klassenzugehörigkeit nach wie vor eine bedeutsame Rolle zu. Entsprechend fragt Pilger, aus welcher Klasse Obama eigentlich komme. In seinem Buch „Dreams from my father“ berichte Obama kurz, dass er nach seinem Studium an der Columbia University für ein Counsulting House für multinationale Unternehmen tätig gewesen sei. Er sagte aber nicht, für welches Unternehmen er genau tätig, noch wofür er zuständig war. Pilger weiß zumindest zu berichten, dass es sich dabei um die Business International Corporation handelte, die eine lange Vergangenheit als CIA front company habe und CIA Angehörige als Mitarbeiter deckte.

In seiner kurzen Periode als Mitglied im Senat unterstützte Obama u.a. den Krieg im Irak und Afghanistan (und aktuell die Truppenaufstockung in Afghanistan und die Ausweitung des Kriegs nach Pakistan), den Patriot Act und die Todesstrafe. Von den Unternehmen erhielt er im Wahlkampf mehr Geld als sein Konkurrent McCain. Nach seinem Wahlsieg übernahm er viele Mitarbeiter der Bush Regierung. Aus seiner einst erklärten Absicht Guantanamo zu schließen wurde (dementsprechend) bisher nichts, stattdessen setzt er das System von Geheimgefängnissen fort. Auch einen vermeintlich schnellen Abzug der Truppen aus dem Irak kündigte er an. Offenbar auch hier Fehlanzeige: Generäle gehen aktuell von weiteren 12 bis 15 Jahren der Militärpräsenz aus. So lässt sich wohl auch der weitere Anstieg der Militärausgaben unter Obama`s Ägide erklären. Und seine jüngst in Prag erklärte Absicht die Abrüstung der Nuklearwaffen voranzutreiben passiert zu einer Zeit in der er gleichzeitig die Gefahren beschwört die vom Iran ausgingen. Parallel dazu plädiert er für den Aufbau eines Raketenabwehrsystems, dass sich gegen Russland und China richte. Auf Obama`s Marketing-skills und die seines Teams scheint Verlass zu sein, aber worauf soll man bei ihm noch hoffen?

Video anschauen! (Langfassung; 32 min)